Analytik ohne Grenzen?

Seit den 1960er Jahren werden Rückstandsanalysen auf Pflanzenschutzmittel in frischem Obst und Gemüse durchgeführt. Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte sind die Analysemethoden immer besser und empfindlicher geworden. Dies zeigt sich insbesondere an der Entwicklung der erreichten Nachweisgrenzen: Vor ca. 40 Jahren war die Spurenanalytik in der Lage, Pflanzenschutzmittel-Rückstände von 1 mg/kg (10-6) zu erfassen, vor 20 Jahren waren es bereits 0,001 mg/kg, was 1 µg/kg (10-9) entspricht. Aktuell sind es 0,000001 mg/kg, also 1 ng/kg (10-12). Damit ist das Nachweisvermögen allein in den letzten 20 Jahren von 10-9 auf 10-12 gewachsen – also um den Faktor 1.000!

Zum Vergleich: 1 µg/kg bedeutet die Bestimmung eines einzigen Roggenkorns in 50 t Weizen, was wiederum ungefähr 1 Güterwaggon entspricht, der mit 50 t Weizen beladen ist. 1 ng/kg bedeutet die Bestimmung eines einzigen Roggenkorns in 50.000 t Weizen, was wiederum ungefähr 1.000 Güterwaggons entspricht, die mit jeweils 50 t Weizen beladen sind. Weiterlesen

Kontaminationsrisiken im Anbau – Gefahren erkennen, berücksichtigen und minimieren

Von Jochen Kreiselmaier (Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz)

„Wir haben in ihrem Gemüse Pflanzenschutzmittelrückstände eines nicht zugelassenen Wirkstoffes nachgewiesen. Die Ware ist deshalb für uns nicht vermarktungsfähig.“ Oft trifft diese Mitteilung den Gärtner unverhofft. Er ist sich keiner Schuld bewusst, denn er weiß, dass er diesen Wirkstoff nicht eingesetzt hat. Wo aber kommt dieser her? Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass solche Wirkstofffunde, oft aus Abdrift bzw. aus Wirkstoffverlagerungen von Nachbarflächen stammen oder auf eine unzureichende Tankreinigung der Feldspritze zurückzuführen sind.

Risikofaktor Abdrift / Wirkstoffverlagerung

Insbesondere in Gebieten mit hoher Anbaudichte und bei kleinen Flächen besteht ein hohes Risiko des Wirkstoffeintrages von und auf Nachbarflächen. Selbst bei Einhaltung einer guten fachlichen Praxis und mit modernster Technik ist keine 100%ige, randscharfe Behandlung einer Fläche möglich. Beim Einsatz „normaler“ Düsen werden in 1 Meter Entfernung zum Spritzgestänge immerhin noch ca. 1 Prozent der Aufwandmenge in Bodensedimenten der Nachbarfläche nachgewiesen (Quelle: Abdrift-Eckwerte, JKI, Braunschweig). Durch den Einsatz von Injektordüsen, die Abdrift um 90 Prozent mindern, kann dieser Wert zwar auf 0,1% reduziert werden. Aber auch das ist immer noch zu viel, da heute nahezu jedes Molekül nachweisbar ist. Weiter kann es infolge von Staubverfrachtung (Winderosion) zu Wirkstoffverlagerungen auf Nachbarflächen kommen, wenn an den Bodenteilchen noch Pflanzenschutzmittelreste haften. Bei heißer Witterung ist auch der Eintrag über die Gasphase eines Pflanzenschutzmittels (abhängig von dessen Dampfdruck), nicht auszuschließen. Weiterlesen

Der Honigbiene in den Kopf geschaut

Der Honigbiene in den Kopf geschautInterview mit dem Neurobiologen Prof. Dr. Dr. Randolf Menzel

Zu verstehen, wie ein Gehirn funktioniert, gilt als eine der vornehmsten Herausforderungen für die Wissenschaft. Seit den 1960ern widmet sich ihr der Berliner Neurobiologe Prof. Dr. Dr. Randolf Menzel. Er forscht an etwas sehr Kleinem: dem Bienenhirn.

 

Frage: Seit 50 Jahren teilen Sie Ihr Leben mit Bienen. Wie hat Sie das beeinflusst, Ihre Wahrnehmung, Ihren Blick auf die Welt?

Menzel: Die Welt ist nicht so, wie wir sie als Menschen sehen. Es gibt viele, so viele spannende Phänomene, die wir gar nicht wahrnehmen, die aber möglicherweise doch auf uns wirken – und essenziell für andere Tiere sind. Eine Biene sieht beispielsweise nicht nur den Himmel mit seinen Wolken, sondern vielzählige Muster, an denen sie sich orientieren kann. Mit ihren 7.000 Facettenaugen besitzt sie einen Rundumblick, wobei sie, anders als der Mensch, auch ultraviolettes Licht verarbeiten kann. Ihre Farbwahrnehmung ist anders. Nicht weniger bemerkenswert sind auch ihr Kommunikations- und Orientierungsvermögen, für die sie sich auch elektrostatischer Felder und Erdmagnetfelder bedient. Mir ist mit der Zeit diese andere Weltwahrnehmung so sehr in Fleisch und Blut übergangen, dass mir gar nicht mehr auffällt, wie sehr ich wieder für das Tier mitgedacht habe. Das geht mir dann erst im Gespräch mit einem anderen Menschen auf.

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Pflanzenschutzmittel: Sicher anwenden und Rückstände vermeiden

pflanzenschutzmittel-sicher-anwendenFür einen sachgerechten und sicheren Umgang mit Pflanzenschutzmitteln sind eine Vielzahl von Gesetzen und Regeln zu beachten. Dabei gilt es, die Mittel so einzusetzen, dass einerseits die gewünschte Wirkung erzielt wird und andererseits die Belange des vorbeugenden Verbraucherschutzes sowie der Anwenderschutz und der Schutz der Umwelt berücksichtigt werden.

 

Die gute fachliche Praxis gibt die Grundsätze für sachgerechtes Handeln im Pflanzen-schutz vor. So sind die Berücksichtigung der Anwendungsbestimmungen und Kennzeichnungsauflagen wie z.B. das Anwendungsgebiet, die Abstandsauflagen, der Anwendungszeitraum, die Aufwandsmenge, die Wartezeit und der Einsatz der richtigen Anwendungstechnik natürlich von elementarer Bedeutung. Unerwünschte Rückstände und die Überschreitung der Rückstandshöchstgehalte werden so vermieden. Weiterlesen

Schadnager im Blick: Monitoring und Bekämpfung

Pet ratMit Beginn der Einlagerungsphase von Obst steigt auch das Risiko der Einwanderung von Mäusen und Ratten in den Betrieb. Diese können z. B. mit dem Erntegut eingeschleppt werden oder durch Nahrungsanreiz aus der Umgebung in die Betriebsräume eindringen. Denn Nahrungsvorräte, uneinsichtige Ecken im Betrieb oder Gewässer und Brachflächen in der Umgebung bieten ideale Lebensbedingungen für die Schadnager. Um Produkte und Verpackungsmaterial vor Schadnagerbefall zu schützen und Hygienerisiken vorzubeugen, ist ein konsequentes Schädlingsmonitoring unerlässlich. Weiterlesen