Deutschland und der Antibiotika-Globus

Fakten und Prognosen

Die deutsche Antibiotikareduktion verläuft beispielhaft. Allein im Jahr 2016 wurden
62,36 Tonnen weniger Antibiotika in der Schweine- und Geflügelhaltung innerhalb des QS-Systems eingesetzt. Das entspricht einem Minus von 11,4 Prozent. Diese Zahl ist umso bedeutsamer, da die Tierhalter des QS-Systems rund 95 Prozent des deutschen Schweine- und Geflügelfleischs produzieren.

In den nachfolgenden Grafiken blicken wir nicht nur auf die aktuellen Zahlen aus Deutschland, sondern auch auf den gesamten “Antibiotika-Globus” und auf die für andere Produktionsländer prognostizierte Entwicklung der Antibiotikazahlen geschaut. Dabei fällt auf: Wer international mit Fleisch handelt, der muss auch den Antibiotikaeinsatz in den Produktionsländern im Auge behalten. Ganz besonders gilt das für den, der sich an das eigentliche Ziel aller Anstrengungen erinnert: Die Eindämmung von resistenten Bakterien, die für Mensch wie Tier gefährlich werden können. Weiterlesen

Bakterielle Detektive

Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff forscht nach neuen Antibiotika

Digitale-DetektiveWo sind die Unternehmen, die neue Antibiotika entwickeln? Wo sind die innovativen Wirkstoffe,  die in Zeiten multiresistenter Krankenhauskeime lebensgefährliche Infektionskrankheiten heilen? „Zum Hofe“ hat sich auf die Suche gemacht und fand: Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff. Wenige Wochen, bevor die Geschäftsführerin des Biotech-Unternehmens AiCuris in den Beirat wechselte, nahm sie sich Zeit für ein Interview. Dabei stand das Glück Pate: Eine schwere Lungenentzündung hatte die Chemikerin ins Krankenhaus gebracht. Das zweite Antibiotikum half. Auch, dass dieses Interview – wie geplant – stattfinden konnte.

Frage: Es heißt, AiCuris sei das einzige deutsche Unternehmen, das neue resistenzbrechende Antibiotika für die Humanmedizin entwickelt. Stimmt das?

Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff: „Meines Wissens sind wir tatsächlich die Einzigen, die hierzulande breit aufgestellt an Gram-positiven wie Gram-negativen Bakterien forschen und Antibiotika entwickeln. Der Pharmakonzern Sanofi, in den die deutsche Hoechst AG aufging, betreibt seine Antibiotikaforschung heute in Frankreich. Die anderen großen deutschen Pharmafirmen haben hiermit zwischen 2000 und 2006 allesamt aufgehört.“

Frage: Warum?

Rübsamen-Schaeff: „Sie waren der festen Meinung: Antibiotikaentwicklung lohnt sich nicht mehr. Patente liefen zu dieser Zeit aus, billige Generika kamen nach. Plötzlich sollten immer mehr Substanzen, auch die neuen Entwicklungen, zu Generika-Preisen zu haben sein. Und so etwas rechnet sich tatsächlich nicht, wenn Sie, erstens, nach einem neuen Stoff forschen und ihn, zweitens, klinisch testen müssen. Zudem sind Antibiotika per se Opfer ihres eigenen Erfolgs: In 14 Tagen retten sie Leben, entlasten das Gesundheitssystem – und werden abgesetzt. Chronische Erkrankungen sind da finanziell sehr viel interessanter.“ Weiterlesen

„Wer über Tiere spricht, macht den Menschen zum Thema“

TierethikInterview zum Thema Tierethik mit Prof. Dr. Herwig Grimm

Er gehört zu einer besonderen Spezies: Prof. Dr. Herwig Grimm absolvierte eine Ausbildung zum Landwirt und lehrt heute als Professor für Philosophie. Auch angehende Tierärzte sitzen in seinem Hörsaal. Sein Thema: Tierethik.

Frage: Professor Grimm, wo unterscheiden sich Tierethik und Tierschutz?

Prof. Dr. Herwig Grimm:  Ein Tierethiker ist nicht automatisch Tierschützer. Tierethiker beschäftigen sich mit dem moralischen Verhältnis von Mensch und Tier, wir reflektieren es wissenschaftlich, um es besser zu verstehen. Auch wenn das so gewonnene Wissen gesellschaftspolitische Relevanz besitzt, ergreifen wir keine Partei, wir sind keine Schiedsrichter und auch keine Entscheidungsträger.


Frage: Dieser Punkt scheint Ihnen am Herzen zu liegen …

Grimm:  Oh ja. Ethiker versuchen, Konflikte zu verstehen und Lösungsideen zu bieten. Es geht auch darum, Brücken zu bauen, damit sich etwas bewegen kann. Moralisierte Debatten, deren Zielrichtungen schon im Vorfeld feststehen, zementieren nur die Fronten. Weiterlesen

“Du bist nicht allein” – Interview zur neueren Mikrobenlehre mit Dr. Bernhard Kegel

Neuere-Mikrobenlehre-KegelWer sich mit Dr. Bernhard Kegel unterhält, dem kann es zuweilen unheimlich werden. Seit 2013 beschäftigt sich der Naturwissenschaftler mit Bakterien und anderen Mikroben. Sie wurden international zu einem technikgetriebenen Forschungsgegenstand, der sich zurzeit selbst überholt. Auch wenn die Entwicklung noch in ihren Kinderschuhen steckt, ist heute schon klar: Jeder Mensch lebt im Austausch mit Millionen anderer Organismen. Sie bilden in jedem Einzelnen von uns ein hoch individuelles Biokonglomerat, von dem wir noch längst nicht wissen, was es mit uns – ganz persönlich – macht.

Es heißt, Mikrobiologen stellen derzeit unser biologisches Weltbild auf den Kopf. Worin liegt die Revolution?

Dr. Kegel: „Wir lebten bislang in der Annahme, die meisten Organismen, einschließlich des Homo sapiens, seien autarke Einzelwesen. Diese Vorstellung ist für uns eine Selbstverständlichkeit, für Wissenschaftler ebenso wie für Laien. Diese Selbstverständlichkeit entpuppt sich nun zunehmend als ein fundamentaler Denkfehler.“ Weiterlesen

Der Ton macht die Musik

 

Starkes Gespann: Tierarzt Dr. Rolf Nathaus und Landwirt Heinrich Lohmann

Sie sprechen dieselbe Sprache – das führte zum Erfolg: Hoftierarzt Dr. Rolf Nathaus und Landwirt Heinrich Lohmann betreiben zusammen moderne Bestandsbetreuung in einer Schweinehaltung. Ort des Geschehens ist ein alteingesessenes Familiengehöft in Ascheberg. „Zum Hofe“ war beim Betriebsrundgang dabei.

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Starkes Gespann: Tierarzt Dr. Rolf Nathaus und Landwirt Heinrich Lohmann betreiben zusammen moderne Bestandsbetreuung in einer Schweinehaltung. (Bildrechte: QS)

Mit langen Schritten durchmisst Heinrich Lohmann den Flur und öffnet. Alles hier ist groß: die zweiflügelige Haustür, die Eingangshalle, die Deckenhöhe – und Lohmann selbst, dessen Kopf jeden Besucher überragt. Mit 1,97 ist auch schon sein Junior, das älteste der vier Kinder und der Hofnachfolger, ein „Großer“. Er absolviert gerade seine Ausbildung und plant ein landwirtschaftliches Studium obenauf. So ist es also – noch – an seinem Vater, die Geschicke hier auf „Hambrok“ zu lenken. In wievielter Generation? Das weiß niemand so genau. 1425 wurde das Anwesen erstmals erwähnt. „Wenn Sie im Garten ein Loch von einsfünfzig buddeln, dann stoßen Sie schon auf einstige Fundamente“, erzählt Heinrich Lohmann. Es ist eben altes Land hier, altes Bauernland. Weiterlesen